Der unredliche Westerwelle
Der Vizekanzler ist rhetorisch so begabt, dass er sich um die Wahrheit nicht zu scheren braucht.
Seit zwei Wochen beherrscht Guido Westerwelle die öffentliche Debatte. Er ist ein unpopulärer Populist, der Rollen spielt, aber nie sich selbst. Ein Schauspieler, der Dinge sagt, die nur plausibel klingen, es in Wahrheit aber nicht sind. Ein Beispiel: Bei seiner Rede am politischen Aschermittwoch hat Guido Westerwelle von einer Kellnerin gesprochen, für die es sich kaum lohne, zu arbeiten, weil sie nicht mehr verdient als ein Hartz IV-Empfänger. Damit Arbeit sich wieder lohne, habe die Bundesregierung deshalb Steuersenkungen beschlossen.
Die Wahrheit ist, dass dieser Kellnerin die Geschenke aus dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz nichts nützen. Niedrigverdiener wie sie zahlen keine Steuern und das ist auch gerecht – dafür hat die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder gesorgt. Hier wird deutlich, wie sich der Vizekanzler argumentativ von der Realität entfernt hat. Steuersenkungen helfen nicht, um das so wichtige Lohnabstandsgebot zu wahren, denn von ihnen profitieren nur die Besserverdienenden, deren Lohn deutlich über dem Hartz-IV-Satz liegt. Guido Westerwelle aber versucht die ökonomisch irrsinnigen Klientelgeschenke ordnungspolitisch sinnvoll zu verpacken. Entweder weiß er es nicht besser oder er lügt bewusst, um seine Zuhörer zu täuschen.
Mich stört an Guido Westerwelle vor allem, dass er in dieser Debatte ständig Redlichkeit einfordert, aber selbst der Unredlichste ist. Mit rhetorischen Mitteln deutet er die Wahrheit um. Von ihm könnte so mancher Pressesprecher noch was lernen. Er erinnert mich manchmal an den Kaiser in „des Kaisers neue Kleider“, der zwar nackt ist, aber sich und allen anderen einredet, die schönsten Gewänder zu tragen. Sie werden sehen, in ein paar Jahren ist der Außenminister auch soweit. Doch wie der Kaiser wird er irgendwann lernen müssen, dass man die Wahrheit nicht unendlich verbiegen kann.
:: Frank Hofmann | Veröffentlicht am 5. März 2010 zum Thema Geld, Parlament, Wirtschaft | Keine Kommentare ::